Das Leben der Anderen
Thema: Staat, Sicherheit - Staatssicherheit? Über das ambivalente Verhältnis von Staat und Sicherheit
Einführung

"Das Verhältnis des Staates zur Sicherheit ist aktuell in Bewegung geraten – im politischen Handeln ebenso wie in der öffentlichen Diskussion. Vor allem seit der Erhebung des internationalen Terrorismus zum Zentralproblem globaler Sicherheit nach den Anschlägen vom 11. September 2002 und durch die damit verbundene Intensivierung politischer Maßnahmen im Bereich der äußeren und inneren Sicherheit ist eine Debatte über Ansprüche, Reichweite und Maßnahmen des Sicherheitsstaates entbrannt. Diese öffentlich-politische Debatte, die in oftmals polarisierter Weise zwischen Befürwortern eines Primats der Freiheit und eines Primats der Sicherheit ausgetragen wird, ist in der Regel durch zwei Merkmale gekennzeichnet: Zum einen ist sie stark instrumentell orientiert – der Fokus liegt hier auf der Erforderlichkeit, der Berechtigung und der Wirksamkeit der Maßnahmen, die der Staat zur Herstellung oder Aufrechterhaltung der Sicherheit ergreift. Gefragt wird: Wie soll, darf oder muss der Staat Sicherheit gewährleisten? Zum zweiten ist die öffentliche Debatte um das Verhältnis von Staat und Sicherheit von einer quantitativen Perspektive geprägt – gefragt wird hier nach dem Mehr oder Weniger an Sicherheit, also nach der richtigen Verhältnismäßigkeit, die der Staat in seinen Sicherungsansprüchen zu wahren habe: Wieviel Sicherheit soll, darf oder muss der Staat gewährleisten?

Dem gegenüber stellt sich aus philosophischer Perspektive zunächst eine andere, qualitativ orientierte Frage: Was ist eigentlich Sicherheit, worin besteht im Kern dasjenige, was die staatliche Sicherheit anstrebt – und was macht umgekehrt im Kern die Verunsicherung aus, auf die das staatliche Sicherheitsstreben reagiert? Ist Sicherheit ein objektiver Zustand, der sich über einen Katalog von Maßnahmen real herstellen lässt? Oder ist Sicherheit ein subjektives Gefühl, also ein innerlicher Zustand, dessen Erfüllung vom Bestehen objektiver Sicherheits- oder Bedrohungslagen zumindest teilweise abgekoppelt ist? Gibt es überhaupt „objektive“ Sicherheit und „Unsicherheit“, oder setzt die Definition dessen, was als sicherheitsstaatlich zu behandelnde Gefahr gilt ist, nicht immer einen Akt wertender und damit variabler Beurteilung voraus? Wenn ja: Wer nimmt diese Beurteilung nach welchen Kriterien vor – der Staat, die öffentliche Meinung, die 'Sicherheitsexperten'? [...]"

(Auszug aus der Programmbroschüre. Ganztext im Download-Bereich unten.)


Informationen zum Film

„Das Leben der Anderen", D 2006

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck
Produktion: Max Wiedemann, Quirin Berg
Darsteller: Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Thomas Thieme, Volkmar Kleinert u.a.
Kamera: Hagen Bogdanski
Musik: Gabriel Yared, Stéphane Moucha
Schnitt: Patricia Rommel
Länge: 137 Min.

Mitte der 80er Jahre in der DDR: Der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) wird auf Anordnung des Kulturministers Bruno Hempf (Thomas Thieme) auf den Schriftsteller Georg Dreyman (Sebastian Koch) angesetzt, um dessen staatspolitische Loyalität zu überprüfen. Wiesler richtet – in aufrichtiger und idealistisch geprägter Überzeugung von der Richtigkeit seines Tuns – auf dem Dachboden von Dreymans Haus eine Abhörzentrale ein und verfolgt fortan das Leben des Künstlers und seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck). Fasziniert von der ihm fremden Lebensart des Künstlerpaares, gerät Wiesler zunehmend in den Bann der Menschen, die er im staatsicherheitlichen Auftrag zu bespitzeln hat. Als er erfährt, dass das eigentliche Motiv der Observierung darin besteht, dass Minister Hempf Dreymans Geliebte für sich begehrt, verwandelt sich Wieslers Einstellung zunehmend. Als Dreyman  nach dem Freitod seines verzweifelten, weil mit Berufsverbot belegten Freundes Albert Jerska (Volkmar Kleinert) beginnt, entgegen seiner ursprünglichen Haltung gegen den Staatsapparat aufzubegehren, geht Wiesler dazu über, Dreyman vor der Staatssicherheit zu schützen, indem er die Abhörprotokolle fälscht. 

Das Leben der Anderen hat zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erlangt, darunter den Deutschen und Europäischen Filmpreis 2006 sowie den Preis für den besten fremdsprachigen Film bei der Oscar-Verleihung 2007.


Bisherige Veranstaltungen

  • 05.02.2010, WOKI Bonn.
    Teilnehmer: 70.
  • 13.11.2013, Kinok, St. Gallen/CH.
    Teilnehmer: N.N.