Podium: Was ist Integration?
Die Veranstaltung am 01. Februar 2008 in Bonn hatte die Zielsetzung, herauszufinden und zu deabttieren, welche Bestimmungen von Integration für die verschiedenen Bildungsbereiche leitend sind und welche Verantwortung Bildungsinstitutionen und Bildungspolitik zukommt, aber auch welche Verantwortung die Medien im Bereich der Integrationsbeförderung haben.
In seinem Eingangsplädoyer führte Dr. Martin Booms, Leiter der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur aus, dass gerade die Vernachlässigung der grundsätzlichen und theoretischen konzeptionellen Fragestellung, was unter Integration zu verstehen sei und unter welchen Zielsetzungen sie folge, Ursache vielfältiger Handlungsunsicherheiten bei der konkreten Umsetzung von Integrationsmaßnahmen durch Politik und Rahmenordnung sei. Eine erforderliche Klärung und Verständigung hierüber setze aber eine weitergehende Verständigung über das erstrebte Gesellschaftsmodell und deren Wertegrundlagen voraus, um Fragen der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund fundiert und unverkürzt in den Blick nehmen zu können.

Dr. Jochen Bartsch, Direktor des Studienkollegs an der Universität Bonn, verwies auf die Bedeutung von Bildungseinrichtungen für die Integration und beklagte die durch die Landesregierung beschlossene Schließung der nordrhein-westfälischen Studienkollegs als Rückschritt für die Integration, auch im Blick auf die globale Vernetzung im Rahmen einer zunehmend internationalisierten Forschungs- und Wissenschaftslandschaft. Er verwies darauf, dass das in der öffentlichen Debatte stark thematisierte Spannungspotential aufgrund unterschiedlicher kultureller Hintergründe in seiner konkreten Praxiserfahrung praktisch keine Rolle spiele.

Ingrid Schöll, Direktorin der Volkshochschule Bonn, verwies darauf, dass Deutschland seit Jahrzehnten faktisch Einwanderungsland gewesen sei, ohne sich hierzu zu bekennen und entsprechende Verantwortung wahrzunehmen. Es sei nicht verantwortlich, Menschen ungesteuert in die Gesellschaft aufzunehmen, ohne entsprechenden Angebote zur Integration zu schaffen. Hierzu sei auch ein erheblicher finanzieller Aufwand erforderlich, der allerdings wesentlich geringer sei, als die Zuwanderung überhaupt nicht zu steuern und aktive Integrationsmaßnahmen zu initiieren. Erforderlich sei auch, einen verbindlichen Wertekanon festzulegen, der den Grundkonsens aller in der deutschen Einwanderungsgesellschaft lebenden Menschen darstellen müsse.

Joachim Westhoff, Chefredakteur des Bonner Generalanzeigers, verwies in seinen Ausführungen darauf, dass das Medium der Zeitung gegenüber den elektronischen Medien – insbesondere dem Fernsehen – am ehesten geeignet sei, eine integrative mediale Plattform darzustellen, während die Diversifizierung der einzelnen Fernsehkanäle dem gegenüber eher desintegrativen Charakter habe. Gleichwohl sah er das Potential, über Zeitungsinformationen einen integrativen Beitrag für Menschen mit Migrationshintergrund zu leisten, als eher gering an, da diese sich auf anderen Wegen migrantenspezifische Informationen wie etwa Moschee-Öffnungszeiten einholten. Wichtig sei festzustellen, dass Voraussetzung für gelingende Integration auch sei, dass zuwandernde Menschen die grundsätzliche Bereitschaft hätten, sich auch als integralen Bestandteil der Einwanderungsgesellschaft zu sehen, wie dies etwa bei Einwanderern in den USA zu beobachten sei.